Ständiges Aufspringen, verlorene Arbeitsaufträge und minimale Frustrationstoleranz: Wie wir die Konzentrationsfähigkeit eines Realschülers durch spielbasiertes Handlungs- und Kognitionstraining und gezielte Körperregulation stabilisiert haben.
Konzentrationsprobleme bei ADHS und Autismus resultieren oft aus Reizüberflutung und fehlender Körpereigenwahrnehmung. Diese Fallstudie zeigt, wie durch propriozeptive Sitzhilfen (Wackelkissen, Trittband), Reizabschirmung, visuelle Scheibenuhren und strukturiertes Block-Bautraining selbstständige 15-Minuten-Fokusphasen ohne Aufspringen erreicht wurden.
Der Schüler: Leo* (10 Jahre, 5. Klasse Realschule, Doppeldiagnose ADHS und Autismus-Spektrum) und seine Eltern.
Das Problem: Leo konnte sich stundenlang in seine digitalen Bauwelten vertiefen, scheiterte am Nachmittag jedoch an jeder einfachen Schulaufgabe. Das Rascheln eines Blattes, ein Auto auf der Straße oder ein offenes Buch im Sichtfeld reichten aus, um ihn völlig aus dem Konzept zu bringen.
Er sprang alle zwei Minuten auf, suchte Ausreden, verlor mitten im Satz den Faden und hinterließ halbfertige Arbeitsblätter. Ermahnungen wie „Bleib doch endlich sitzen“ führten regelmäßig zu Wutausbrüchen und Tränen.
*Hinweis zum Persönlichkeitsschutz: Sämtliche personenbezogenen Daten, Namen und schulischen Details wurden vollständig anonymisiert. Der Fall spiegelt reale Beratungsergebnisse unserer Fachpraxis wider.
In der Video-Fachberatung analysierten wir Leos sensorisches und kognitives Profil:
Für Leos Nervensystem war das Ruhigsitzen auf einem Stuhl anstrengende Schwerstarbeit. Die gesamte kognitive Energie floss in die Muskelbeherrschung – für das Lösen von Aufgaben blieb keine Kapazität mehr übrig.
Leo dachte monotrop. Im freien Spiel mit blockbasierten Welten zeigte er herausragende Ausdauer und räumliche Planung. Diese intrinsische Motivation galt es gezielt in eine strukturierte Handlungssteuerung für den Schulalltag zu überführen.
Wir verknüpften die Umgestaltung des Schreibtischs mit einem videogestützten Konzentrationstraining:
Nutzung digitaler Bauwelten als Trainingsumgebung: Schrittweise Planung komplexer Konstruktionen, Ressourcen-Einteilung und Frustrationstoleranz bei Baufehlern wurden spielerisch trainiert und auf Schulaufgaben übertragen.
Einführung eines dynamischen Ballkissens und eines elastischen Trittbands an den Stuhlbeinen. Leo durfte wippen und treten, während sein Kopf fokussiert arbeitete.
Blickrichtung zur neutralen Wand, Nutzung einer Sichtschutz-Blende und klare Intervalle mit der farbigen Scheibenuhr (15 Minuten Fokus, 3 Minuten Bewegung).
Die sensorischen Anpassungen und das handlungsorientierte Training brachten nachhaltige Stabilität:
In unserer Fachberatung analysieren wir die Reizfilter Ihres Kindes und entwickeln alltagstaugliche Trainingsstrategien für ruhiges, erfolgreiches Arbeiten.