Kognitions-Hub & Fachglossar

Fachbegriffe verstehen: Die Sprache der Neurodivergenz

Ob in Diagnostikberichten, Elterngesprächen oder Fachartikeln: Fachbegriffe wie PDA, Masking oder exekutive Dysfunktion stiften oft Verwirrung. Hier finden Sie präzise, psychologisch fundierte und alltagstaugliche Erklärungen.

Auf den Punkt gebracht: Kognition & Neurodivergenz

Der Kognitions-Hub von Sandy Kluschke definiert zentrale Fachbegriffe zu Autismus und ADHS (u. a. PDA, Masking, Bottom-Up-Verarbeitung, Sensory Overload). Das Glossar übersetzt neurologische Funktionsweisen in konkretes Alltagswissen, um Eltern und Fachkräften handlungssichere Orientierung ohne Pathologisierungsdruck zu ermöglichen.

1. Sensorik, Verhalten & Kernmechanismen

Die wichtigsten Grundbegriffe zu Verhaltensmustern und sensorischer Regulation:

BEGRIFF 01

Pathological Demand Avoidance (PDA)

Extreme Anforderungsvermeidung aus einem tiefen neurologischen Autonomie- und Kontrollbedürfnis heraus – warum herkömmliche Erziehung bei PDA scheitert.

Zur Begriffserklärung: PDA →
BEGRIFF 02

Masking & Camouflaging

Das energieintensive Verstecken autistischer Züge in Schule oder Kita und warum es zu Hause zum unvermeidbaren Nachmittags-Zusammenbruch führt.

Zur Begriffserklärung: Masking →
BEGRIFF 03

Exekutive Dysfunktion

Neurologisch bedingte Blockaden bei Handlungsplanung, Anfangen, Priorisieren und Zeitmanagement – warum Wissen vorhanden ist, aber nicht umgesetzt wird.

Zur Begriffserklärung: Exekutive Dysfunktion →
BEGRIFF 04

Stimming (Selbststimulation)

Repetitive Bewegungen und Verhaltensweisen (Wippen, Flattern, Kauen) als unverzichtbare Werkzeuge des Nervensystems zur Reizregulation.

Zur Begriffserklärung: Stimming →
BEGRIFF 05

Sensory Overload (Reizüberflutung)

Der neurobiologische Zusammenbruch der Reizfilterung: Wie sensorische Überlastung entsteht und warum sie nicht mit einem Trotz- oder Wutanfall vergleichbar ist.

Zur Begriffserklärung: Sensory Overload →

2. Kognition, Sprache & Lernmuster

Wie das neurodivergente Gehirn Informationen decodiert und Aufmerksamkeit steuert:

BEGRIFF 06

Bottom-Up-Informationsverarbeitung

Detailorientiertes Denken: Warum das autistische Gehirn präzise Einzelbausteine benötigt, anstatt Zusammenhänge abstrakt aus dem Kontext zu erraten.

Zur Begriffserklärung: Bottom-Up →
BEGRIFF 07

Hyperfokus

Das Phänomen extremer, dopamingesteuerter Konzentration bei Spezialinteressen – und wie Eltern diese Ressource fürs Lernen nutzbar machen.

Zur Begriffserklärung: Hyperfokus →
BEGRIFF 08

Rejection Sensitive Dysphoria (RSD)

Intensive emotionale Schmerzreaktion auf tatsächliche oder vermutete Kritik und Ablehnung – eine zentrale Ursache für plötzliche Prüfungsangst.

Zur Begriffserklärung: RSD →
BEGRIFF 09

Monotropismus

Die Fokussierung der gesamten kognitiven Energie auf einen einzigen mentalen Kanal – warum Unterbrechungen enormen Stress auslösen.

Zur Begriffserklärung: Monotropismus →
BEGRIFF 10

Wörtliches Sprachverständnis (Pragmatik)

Wenn Metaphern, Ironie oder vage Formulierungen in Aufgabenstellungen zu massiven kognitiven Barrieren und Missverständnissen führen.

Zur Begriffserklärung: Sprachverständnis →

3. Schulalltag, Krise & Körperwahrnehmung

Strukturelle und körperliche Faktoren für mehr Stabilität im Alltag:

BEGRIFF 11

Rumble-Phase

Die subtile Vorphase eines Meltdowns: Warum rechtzeitige Reizreduktion in diesem Zeitfenster die einzige verlässliche Deeskalation darstellt.

Zur Begriffserklärung: Rumble-Phase →
BEGRIFF 12

Shutdown vs. Meltdown

Die zwei Seiten sensorischer Überlastung: Nach außen gerichtete Entladung (Meltdown) vs. nach innen gerichtete kognitive Starre (Shutdown).

Zur Begriffserklärung: Shutdown →
BEGRIFF 13

Propriozeption & Tiefensensibilität

Die Eigenwahrnehmung des Körpers im Raum: Warum motorische Unruhe oft der Versuch des Gehirns ist, sich selbst zu spüren und zu regulieren.

Zur Begriffserklärung: Propriozeption →
BEGRIFF 14

Nachteilsausgleich

Rechtlich verankerte Anpassungen der Rahmenbedingungen im Unterricht zur Herstellung von echter Chancengleichheit ohne Notenrabatt.

Zur Begriffserklärung: Nachteilsausgleich →
BEGRIFF 15

Psychoedukation

Evidenzbasierte Wissensvermittlung für Eltern und Umfeld: Das Fundament für Resilienz, Entlastung und wirksame Selbsthilfe im Alltag.

Zur Begriffserklärung: Psychoedukation →

Fachwissen in praktischen Alltag übersetzen

Die Begriffe zu verstehen ist der erste Schritt[cite: 9]. Lassen Sie uns gemeinsam alltagstaugliche Werkzeuge entwickeln, die zu den individuellen Bedürfnissen Ihres Kindes passen[cite: 9].